Keiler Bruno bekommt Gesellschaft

Regionalillu

Hans Gadient mit dem optisch angesteuerten Piepser, der die Wildtiere vor Autos warnen soll.



Informiert wurde zudem über Wildunfälle, Rehkitzrettung, die Schwarzwildjagd und das neue Jagdrecht.
Knappe 70 Jäger und Jagdaufseher waren der Einladung zur Bezirksjägerversammlung gefolgt. Sie wurden  von der Bläsergruppe Bözberg gebührend begrüsst. Unter Mitteilungen erwähnte Bäbler Teile des neuen Jagdgesetzes wie den Schiessnachweis, den von 110 auf 70 Stunden reduzierten Jagdlehrgang in Modulen und die Waffenhandhabung. Das Ziel, die Jagdausbildung in einem statt in zwei Jahren zu absolvieren, sei das eine. Das andere sei die Praxis, in der sich der neue Jäger bewähren müsse.
Als politisches Ärgernis bezeichnete der Obmann eine neue Initiative aus der Tierschutz-Ecke, die, anders formuliert als die letzte vom Volk abgelehnte, das gleiche Ziel habe: Das Verbot der Bewegungsjagd. Die Jäger würden wieder aufklärend wirken und das Stimmvolk entsprechend orientieren.
 
Präparate gesucht
Der Aargau soll nun auch ein Erlebnismobil bekommen, ein Anhänger mit spannenden Präparaten und Informationen über Wild und Wald. Es wird mit Kosten von etwa Fr. 90’000.– gerechnet, Swisslos habe Fr. 50’000.– zugesichert, der AJV Fr. 10’000.–, der Rest soll von Sponsoren kommen. Nick Bäbler meinte dazu: «Keiler Bruno bekommt Gesellschaft. Das Einzelstück, das seit Jahren bei jagdlichen Veranstaltungen und an Ausstellungen gezeigt wird, heisst übrigens Bruno, weil ein Jäger, der den Keiler erlegen wollte, so hiess. Er erwischte ihn aber nicht – das rund 100 Kilo schwere Tier starb auf der Strasse!».
Nun sollen eine Bache, ein Überläufer, Frischlinge und andere Präparate das Erlebnismobil füllen. Nick Bäbler startete dazu einen Aufruf an Leute, die Präparate besitzen. Er machte aber deutlich, dass man keine alten Staubfänger und von Ungeziefer zerfressene ausgestopfte Wildtiere zwecks Entsorgung annehmen werde.
 
Pfeifton schützt
Sodann wurden zwei Projekte des AJV präsentiert. Hans Gadient zeigte das auch im Aargau teilweise eingesetzte Gerät, das nachts auf Scheinwerfer reagiert und einen Pfeifton aussendet, was das Wild abschreckt und es nicht unverhofft die Strasse queren lässt. Erste Erfahrungen auf dem Bözberg seien positiv. Der AJV besitzt bis jetzt Geräte für rund 50 km; es lägen aber für 100 km Anmeldungen vor. Gadient wies auf das Leiden der Tiere, die Gefahr für den Menschen und den volkswirtschaftlichen Schaden bei Autounfällen hin und stellte die Frage in den Raum, wieso denn Versicherungen nicht bei der Finanzierung solcher Geräte helfen würden.
Eine zweite Aktion betrifft die Rehkitzrettung. Auf den Monat Mai hin sollen die Felder verblendet werden. Und zur Information werden Standarten gestellt, die den Trumpfpuur als Jasskarte zeigen (Bauer/Jäger). Es gelte, die Bauern zu sensibilisieren, damit sie frühzeitig mittteilen, wann sie ein Feld zu Mähen gedenken.
 
«Tote Hose» Schwarzwildjagd
Im 2009 wurden im Aargau rund 500 Wildschweine erlegt, gegenüber über 1’500 im Vorjahr. Im Bezirk Brugg waren es 91 gegenüber 296. Der Rückgang der Abschusszahlen zeigt auf, dass es – vorläufig – gelungen ist, die Schwarzkittel-Population zu reduzieren.
Dominik Thiel, Biologe, Jäger und Pächter, ist Fachspezialist Jagd und Fischerei in der Sektion Jagd und Fischerei in Aarau. Er gab einen kleinen Einblick ins neue Jagdrecht (mehr als die Hälfte weniger Paragrafen als das alte!) und in die Neuverpachtungspraxis. So war zu vernehmen, dass die Jagdaufseher nicht mehr vereidigt werden müssen, sie bei Fehlverhalten ihrer Jäger aber anzeigepflichtig sind.
Unter Verschiedenem wurde auf die Wichtigkeit der Hasenzählung aufmerksam gemacht und die absehbare Einwanderung des Hirsches und deren Folgen besprochen. Im gemütlichen Teil war von einem erfahrenen Jagdaufseher und Förster zu hören, dass er im Schenkenbergertal bereit zwei Mal Anblick auf einen Luchs gehabt habe.

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