«09er dürfte den 03er überflügeln»

Mittwoch, 7. Oktober, 26 Grad. Regional passt an diesem «absoluten Grosslesetag» Peter Rey im Oberflachser Rebberg ab. Nein, so einen Herbst habe er weder als Kellermeister der ehemaligen Staatstrotte in Frick noch in den 20 Jahren als Rebbaukommissär erlebt. «Irgendwie unheimlich, diese Temperaturen», gibt er zu bedenken, «aber gut für die ‘Trübel’».
Man trifft auf Peter Zimmermann, der wie die meisten Winzer und Produzenten
alles an Arbeitskräften aufgeboten hat, was möglich ist. «Dieses Jahr sind wir früh dran», meint Petra Zimmermann, «aber jetzt bringt warten nicht mehr viel, die Trauben würden nur noch schrumpfen – sie sind reif».
Das zeigen unter anderem die drei Standen Blauburgunder, die Peter Zimmermann gerade in seinen Keller verfrachtet. Wie stehts mit den Oechsle? «100 und mehr», antwortet Zimmermann. «Viel Wein, viel Oechsle – fast zuviel», bringt er schmunzelnd die Essenz des 09ers auf den Punkt.
2009: Weniger Oechsle, mehr Qualität
Das entspricht ziemlich genau der Zwischenbilanz, die Peter Rey nach erfassten 50 Tonnen Pinot Noir zieht: «Dabei konnten wir 200 Wägungen mit 100 und mehr Oechsle verzeichnen», freut er sich.
Die Werte des Jahres 2003 – durchschnittlich 87 Oechsle beim Riesling x Sylvaner, 105 beim Blauburgunder – werde man zwar nicht erreichen. Aber weil sich die Reben gesünder präsentieren würden und nicht gewissermassen eine «Notreife» wie im 2003 an den Tag gelegt hätten, sei die Güte des Jahrgangs 09 eher noch höher zu gewichten als jene des oft als Jahrhundert-Jahrgang apostrophierten 03-ers. «Die Ausgewogenheit dergesunden Trauben wird sich in der Qualität niederschlagen», ist Rey überzeugt.
Oechsle und Fruchtsäure im Einklang
«Wobei die Oechsle», erklärt er, «eben nicht das allein Seligmachende sind. Die Fruchtsäuren dürfen ebenfalls nicht zu tief liegen». Beim Blauburgunder seien sie ok, beim R x S lägen sie eher tief, was der Tendenz der letzten Jahre
entspreche.
Und was ist das Problem tiefer Fruchtsäuren? «Beim R x S besteht die Gefahr, dass die Weine plump, pappig, zuwenig spritzig werden», erläutert er. Man darf aber zuversichtlich sein, dass «unsere» versierten Winzer im Keller tolle Produkte keltern.
Imposante Quantitäten
Besagte Zwischenbilanz habe auch gezeigt, so Peter Rey, dass das Traubengut in grossen Mengen daherkomme. Dies sei den regenreichen Monaten Mai, Juni und Juli zu verdanken, welche die Reben den heissen Herbst in vollem Saft in Angriff nehmen liessen. «Wie im Jahr 2008 darf auch heuer eine Grossernte erwartet werden – und das ist auch gut so», meint er, auf die eher mageren Jahre zuvor anspielend.
Beeindruckender als die erwarteten 24’000 Hektoliter Aargauer Wein (2003: 18’000) findet Rey, was da mengenmässig jeweils an den einzelnen Rebstöcken hing. «Der schwerste R x S-‘Trübel’, den wir gewogen haben, war 510 Gramm!», staunt Rey. Das ist schon enorm, gerade vor dem Hintergrund, dass beim R x S die Mengenbeschränkung von 1,3 kg pro Quadratmeter gilt. Tatsächlich haben manche Lieferanten einiges an R x S-Traubengut, das sie nicht abliefern können.
«08-er jetzt trinken, 09-er auf die
Seite tun»
«Das gibt auf alle Fälle einen Jahrgang, den man ganz sicher für rund vier Jahre auf die Seite tun sollte», sagt Peter Rey zur optimalen Trinkreife des kommenden Blauburgunders. Weniger Geduld sei beim 08-er angezeigt.
Was die Winzer nicht ungern hören dürften. Denn die vielen Vorschusslorbeeren
für den 09-er drängen die ebenfalls erstaunliche Klasse des
08ers – eher fruchtigere Weine – ein wenig in der Hintergrund. «Jetzt trinken» lautet die Devise des Rebbaukommissär zum Jahrgang 2008.
Dem schliessen wir uns an und stossen mit 08er auf den fantastischen
09er an – Prost!






