«Ich bin kein Erbsenzähler – aber haushälterisch»

Welche Ziele möchten Sie als Stadtrat und Vizeammann in der nächsten Amtsperiode umsetzen?
Martin Wehrli: Bei der Umsetzung aller Aufgaben gilt es darauf zu achten, dass wir den attraktiven Steuerfuss halten können (95 %, Red.), und dies ohne Neuverschuldung. Bei meinen Überlegungen geht es eben nicht darum, möglichst schnell viel Geld auszugeben. Es gibt auch die Fragestellung: Wie können wir als Kommune mehr Einnahmen generieren, ohne für den einzelnen Bürger die Steuerquote zu erhöhen. Sind die Ziele nachhaltig, werden wir die Möglichkeit haben, künftig daraus Einnahmen zu erreichen.
Am Salzhaus-Talk haben Sie von einer Info-Stelle gesprochen. Können Sie das präzisieren?
Martin Wehrli: Zusammen mit den Verantwortlichen der Industriebetriebe und den zuständigen Personen der FHNW möchte ich eine Informations- und Kommunikationsstelle einrichten. Mein Ziel ist es, einen regelmässigen Informationsaustausch zu pflegen und den Wissenstransfer zu fördern. Ich verspreche mir mit dieser Massnahme auch, an Informationen von neuen innovativen Firmen zu kommen, die wir in Brugg ansiedeln könnten. Es gehört zu einer der wichtigen Aufgaben, für die Zukunft neue Betriebe mit einem hohen Wissensstandard und einer hohen Wertschöpfung nach Brugg zu bringen.
Wie kann sich Brugg besser «verkaufen»?
Martin Wehrli: Ein wichtiges Anliegen ist mir auch die Stärkung der Marke «Brugg». Die Stadt Brugg muss sich in den kommenden Jahren wieder besser als bedeutende Stadt neben den beiden grossen Zentren Baden und Aarau positionieren. Es ist daher eine Stelle einzurichten oder ein Büro zu beauftragen, die uns die Marke «Brugg» zu verkaufen hilft.
Die Alte Post steht im Blickpunkt. Abriss oder nicht – wie sehen Sie das?
Martin Wehrli: Im Gebiet der «Alten Post» haben wir ein Baufeld, das im Besitz von Privaten und der Gemeinde ist. In diesem Perimeter sollte die Stadtverwaltung unter einem Dach zusammengeführt werden. Damit könnte auch das Stadtbüro realisiert werden. Wenn es hierzu eine gute Lösung mit dem Erhalt der Alten Post gibt, bitte. Ich bin aber dagegen, dass man sich mit dem Erhalt etwas verbaut, wenn es mit einem Abriss bessere Lösungen gäbe. Es stellt sich ausserdem die Frage, ob die Stadt Brugg selber als Bauherr auftreten muss und so 11 Millionen investieren will oder ob wir nicht unser Grundstück in eine Überbauung einbringen und uns mit der Verwaltung einmieten sollten. Wir würden dergestalt unsere Finanzkraft erhalten und längerfristig mehr Flexibilität für unsere Verwaltung haben.
Sie haben bis jetzt in Ihrer Ära als Finanzminister etliche Millionen ausgegeben – und rund 50 sind noch in der Pipeline für Neubauten. Obwohl Sie also ausgabenfreudig sind, gelten Sie in Stadt und Land als der Erbsenzähler schlechthin. Wieso?
Martin Wehrli: «Ich bin überhaupt kein Erbsenzähler. Ich habe nur die Pflicht, mit unseren Mittel haushälterisch umzugehen. Tatsächlich wurden grosse Investitionen für die Stadt Brugg, aber vor allem für die Region getätigt. Vieles von den bewilligten Projekten ist leider noch nicht sichtbar und für den Bürger nicht spürbar, wie der Stadtsaal oder die neue Brücke über die Aare. Erste Wahrzeichen kann man aber entstehen sehen. So der Bau der Mülimatt-Dreifachturnhalle, die unseren Sportvereinen grosse neue Möglichkeiten eröffnen wird. Auch die Vision Mitte mit dem Campus sowie die Neugestaltung des «Roten Platzes» mit den neuen Zugängen zur Passage werden das Zentrum architektonisch prägen. Das alles gibt uns neuen Schub und strahlt über unsere Region hinaus.






