Michels magische Mischung machts

Regionalillu

Natürlich sind ihm diese über Jahre entwickelten Charakteren ans Herz gewachsen. «Nun aber kann ich das Ruder noch herumreissen, um nicht nur auf sie festgelegt zu werden», erklärt er seine Intention, sich buchstäblich noch mehr Spielraum verschaffen zu wollen. «Und die Leute werden die neuen Figuren bestimmt auch gern haben», ist er sich sicher.
 
Born to perform
Sich sicher sein. Das ist das Stichwort für eine weitere Qualität von Gammenthaler: Der lampenfieber-freie Mann ist auf der Bühne so verdammt locker drauf, wirkt so total entspannt, dass man vor Neid glatt erblassen könnte. Gibts dafür ein Rezept?
Nicht wirklich, «aber ich fühle mich tatsächlich wahnsinnig wohl auf der Bühne». Überhaupt könne kaum etwas schiefgehen, zumal sein Programm, an keinem Abend genau gleich, nur zu etwa 70 Prozent aus einem fixen Gerüst bestehe. «Vieles geht Richtung Improvisationstheater, manchmal vergesse ich auch ganze Gag-Sequenzen», schmunzelt er. «Und schliesslich mache ich auf der Bühne ja das, was ich am liebsten mache. Für mich gehts darum, mit dem Publikum zusammen einen gemeinsamen Abend, ein gemeinsames Erlebnis zu geniessen». Dass dies keine hohle Phrase, keine aufgesetzte Pose ist, zeigt seine unglaubliche Bühnenpräsenz. Gammenthaler, born to perform.
 
Feine Antennen
Wie erfindet man Figuren? «Das ist wie ein Puzzle. Manchmal habe ich einen Trick, um den herum ich die Person entwickle, manchmal ist zuerst die Rolle da, zu der man dann einen plausiblen Trick finden muss». Für den Volker etwa habe er sich ein wenig auf Esoterik-Seiten getummelt, «dann hast du schon ein ganzes Programm», lächelt Magic Michel. Und für den Part der Grossmutter Hedy habe ein Zivilschutz-Nachmittag im Altersheim gereicht. Gammenthalers feine Antennen für den Zeitgeist spiegelt sich jedoch nicht nur in punktgenauen Imitationen wider – Volkers deutsche Zunge beispielsweise ist einfach zum Schreien komisch –, sondern vor allem auch in blitzgescheitem Wortwitz.
 
Alles andere als Klamauk
Im Fernsehen wurde er mal als «Klamauk-Zauberer» angekündigt. Das ist so «genial daneben» – bei der gleichnamigen TV-Sendung war er auch mit von der Partie –, dass es schon fast wieder zu etwas taugt: als treffende Negativ-Definition dafür, was er eben gerade nicht ist.
Klar, er bedient sattsam Klischees. «Was mich daran reizt, ist, dass es einen Grund gibt, dass es sie gibt». Ausserdem wirkten die Figuren weniger stark, wenn kein Klischee dazu passt, so Gammenthaler, weil das Publikum dann den Zugang weniger findet. Und wie weiss er, was dieses amüsiert? «Lustig ist, was wahr ist und ein wenig weh tut. Manchmal ist es aber schon auch schräg: Schallendes Gelächter an einer Stelle, die als beiläufige Nebenpointe gedacht war – und bei einem Joke, den ich selber das Non plus Ultra finde, ein paar müde Lacher», lacht Gammenthaler. Wenn der Witz dann ein paar Mal nicht funktioniere, müsse man ihn halt aus dem Programm kippen.
 
So charmant wird man nirgends über den Tisch gezogen
Dies zeigt ebenfalls: Er mag nicht einfach sein Ding durchziehen, sondern interagiert immer den Zuschauern, bindet sie stets ins Geschehen, in seine Gedankengänge ein. Man wird gewahr: Er hat sein Publikum richtig gern. Deshalb dienen seine Figuren auch nicht einfach als Vehikel dazu, es zu veräppeln. Stattdessen wird man von Gammenthaler ganz liebevoll und charmant über den Tisch gezogen.

 

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