«Der 11. Dezember 2001 war das Highlight»

Rolf Alder, stets scharf beobachtet von der Presse, darf mit Stolz den Hut nehmen. (Im Bild beim Brugger Jugendfest, an dem er übrigens schon 1974 die Jugendfestrede hielt. Dazu schrieb er einmal im Regional: «Der Applaus und die zahlreichen Rosen der hübschen Seminaristinnen sind mir in bester Erinnerung».)
Gerade habe er mit einem bekannten Unternehmer dies und jenes verhandelt, danach sei bei der Repol die Ehrung von Walter Krenn für dessen 30-jähriges Dienstjubiläum anberaumt gewesen, eben habe er noch an der Rede zur Verabschiedung von Stadtratskollege Gregor Tomasi geschrieben, jetzt stehe dieses Interview an: «Ein beispielhafter Nachmittag meines interessanten Jobs, bei dem keine Stunde wie die andere ist», schickt er dem Gespräch voraus.
«Es gibt eben keinen schöneren Beruf als Stadtammann», schiebt der ehemalige Lehrer freudig nach und betont, er werde bis zum 31. Dezember weiterarbeiten und den Schlüssel zum Stadthaus ins schwarze Chäschtli davor genau um 00.00 Uhr einwerfen, «schliesslich bin ich bis dann gewählt». Ein Arbeitsethos, der ihn ehren mag, nur: Das klingt nicht wie einer, der sich schon besonders im Loslassen geübt hätte.
Hand aufs Herz: Am liebsten hätten Sie doch noch eine Amtsperiode nachgelegt?
Rolf Alder: Tatsächlich hege ich gemischte Gefühle, was das Ende dieses spannenden Amtes angeht. Ich habe jedoch immer gesagt, dass die fünfte meine letzte Amtsperiode und dann für mich persönlich ein Marschhalt angezeigt sei. Und ich freue mich schon darauf, endlich mehr Zeit zu haben. Etwa für mein Segelboot, das seit 30 Jahren auf dem Hallwiler- see vor sich hinmodert, oder um wieder vermehrt Schwyzerörgeli üben oder Ski fahren zu können.
Das tönt wie von 180 auf Null. Muss man sich Sorgen um Sie machen, dass Sie in ein Loch fallen?
Rolf Alder: Nein, denn «auf Null» stimmt so selbstverständlich nicht. Als Präsident der Stiftung Bezirksspital Brugg gibt es unter anderem den Ausbau des Pflegeheims am Süssbach zu managen. Zudem habe ich das Mandat als Chef der Regionalen Führungsorganisation inne, bin Vizepräsident der Stiftung Neuhof – und ich habe auch gewisse Anfragen.
Welche denn?
Rolf Alder: Das beantworte ich gleich wie die Anfragen selbst: Darüber können wir im Januar reden. Bis zum 31. Dezember nehme ich nichts an, konzentriere mich auf meine jetzige Arbeit.
Lehrer sein kommt nicht mehr infrage?
Rolf Alder: Was haben wir im Grossen Rat nicht alles über die Schule debattiert. Deshalb würde es mich reizen, einmal eine Stellvertretung zu machen, dies um zu sehen: Wie siehts heute in der Schulstube konkret aus?
Werden Sie sich weiter politisch engagieren bzw. freuen Sie sich auch bereits darauf, dem neuen Ammann dreinzureden?
Rolf Alder: Es ist mein oberstes Gebot: Der Name Rolf Alder wird nie in Komitees oder unter Leserbriefen auftauchen, die der Regierung das Arbeiten erschweren. Ich werde meine Meinung weiter mit dem Stimmzettel kundtun, aber nicht öffentlich. Das garantiere ich.
Ihr Kommunikationsstil sei dünnhäutig-defensiv, bemängelten einige.
Rolf Alder: Ich verhehle nicht, dass ich es nicht lässig finde, wenns nicht mehr um die Sache geht, sondern auf den Mann gespielt wird – wie etwa bei der Aktion «Neues Gesicht», an deren Beiträgen ich nun mal nichts Konstruktives erkennen konnte. Und die Sache mit der Kommunikation: Wir sind nach der Devise verfahren, dass wir nicht jede unserer Regungen kommentieren müssen. Ich schliesse aber nicht aus, dass man das besser machen kann.
Wie äussern Sie sich zum Vorwurf, diverse Anliegen zuwenig proaktiv angegangen zu sein, zur Kritik, dass allzu vieles nur durch massiven Anstoss von aussen in Angriff genommen wurde?
Rolf Alder: Ich nehme diese Kritik ernst. Wir haben nach Prioritäten gearbeitet und konnten es natürlich nicht allen recht machen. Aber ich darf mit Stolz sagen, wir haben doch einiges zustandegebracht, zum Wohle der Brugger Bevölkerung – und auch der Region.
20 Jahre Ammann – die obligate Bilanz?
Rolf Alder: Neben der Altstadt-Sanierung «CityPlus», der Verselbständigung der IBB den diversen Schulhäusern und der Infrastruktur, die wir bauen und sanieren durften, war sicher der 11. Dezember 2001 das Highlight: Nach langem gemeinsamem Kampf entschied der Grosse Rat, dass die Fachhochschule in Brugg-Windisch konzentriert wird und Brugg auch Berufsschulstandort bleibt – schön wäre es, wenn der Campus-Spatenstich noch heuer stattfinden würde.
Was waren weitere Höhepunkte?
Rolf Alder: Das Sportausbildungszentrum Mülimatt mit dem Aaresteg, den Brugg baut, ist eine Riesenfreude – da hat sich das Warten echt gelohnt! Zu den Höhepunkten zähle ich ebenfalls die Fusion mit Umiken, bei welcher letztes Jahr der Weg der kleinen, wohlüberlegten Schritte von Erfolg gekrönt wurde (fast 90 % Ja in Brugg, Umiken 85 %, Red.). Mit Windisch wurde dieser Weg verunmöglicht, hat uns doch die deutlich abgelehnte Initiative «Zusammenschluss Brugg-Windisch» einen Strich durch die Rechnung gemacht. Betreffend Fusion mit Windisch herrscht jedenfalls mehr oder weniger Stillstand.
Womit wir bei den Tiefs wären...
Rolf Alder: Da ist der Wegzug der GE Capital zu nennen – da halfen auch Sitzungen des Gesamtregierungsrates mit der Geschäftsleitung nichts, die Bank wollte nun mal «Zurich» auf der Visitenkarte stehen haben. Die unnötige und nicht nachvollziehbare Schliessung des Bezirksspitals war ein weiterer Tiefpunkt. Ganz tief gegangen ist ausserdem, als mir via meiner Frau sehr konkret mit dem Tod gedroht wurde.
Die gescheiterte Feuerwehrfusion verbuchen Sie wohl auch nicht unter Höhepunkte?
Rolf Alder: Nein, das war nicht gerade ein Highlight. Vielmehr eine üble Sache, weil nicht ehrlich kommuniziert worden ist und wir Brugger danach den «Schwarzen Peter» hatten. Insgesamt aber kann ich, und dafür bin ich äusserst dankbar, auf zwei sensationelle Jahrzehnte zurückblicken.
Rolf Alder räumt den Sessel im Stadthaus. Aber erst am 31. Dezember um 00.00 Uhr und keine Minute früher: «Bis dann bin ich gewählt».
Rolf Alder, stets scharf beobachtet von der Presse, darf mit Stolz den Hut nehmen. (Im Bild beim Brugger Jugendfest, an dem er übrigens schon 1974 die Jugendfestrede hielt. Dazu schrieb er einmal im Regional: «Der Applaus und die zahlreichen Rosen der hübschen Seminaristinnen sind mir in bester Erinnerung».)






