«Mein erster Stundenlohn war 40 Rappen»

Dort fand ihn der Berichterstatter denn auch. Er hielt Jasskarten in der Hand, wirkte konzentriert, motiviert, informiert – und machte den Anschein, alles daran zu setzen, seine Jasspartner zu schlagen (unser Bild). In einer Pause erzählte er aus seinem Leben.
Noch nie in einem Hotel gewesen
«Ich kann mich gut an Dinge aus meiner frühen Jugendzeit erinnern, aber auch an später, als ich bei der Brown Boveri & Cie. (kurz BBC) Wickler lernte und an Grossmaschinen arbeiten durfte. 40 Rappen Stundenlohn bekam ich zum Anfangen. Und es blieben pro Tag nach Abzug des Essens und des Krankenkassenbeitrags Fr. 2.70 für alles andere. Nach einem Monat meinte der Vorarbeiter, es gäbe drei Rappen mehr auf die Stunde – und nach einem Jahr gabs nochmal vier Rappen mehr. Nach 50 Dienstjahren wurde ich in den Ruhestand versetzt, mit einer Pension von Fr. 600.– pro Monat. Mit der AHV reichte es und reicht bis heute». Bemerkenswert: Die BBC hatte schon in frühen Jahren eine eigene Kranken- und Pensionskasse, was beileibe nicht alle Betriebe kannten.
Auf die Frage nach Ferien lachte Walter Horlacher. Er habe noch nie in einem Hotelzimmer übernachtet. Ferien brauchte er für sein Hobby Wandern. Vom Jura nach Genf, rund 14 Tage unterwegs für total 30 bis 40 Franken! Und die Frau? Die wanderte nicht so gerne und blieb mit dem Sohn zuhause. Fernsehen? Ist Nebensache für ihn, der mit der Lupe liest und mit seiner Frau abends öfter mal Halma spielt. Und sonst trifft man sich bei Nachbar Schaffner zu einem Kaffee.
«Es sind jetzt 80 Jahre her, dass ich Mitglied bei der SP bin. Denen blieb ich treu. Wir haben für sozialen Fortschritt gesorgt. Wegen unseren Bemühungen geht es uns heute allgemein besser», postuliert der überzeugte Sozialdemokrat.
Das Sehnen nach der «guten alten Zeit» kann er nicht begreifen: «Das waren keine guten alten Zeiten», moniert er und findet, man solle nicht so unzufrieden sein, es sei viel erreicht worden. Und seine Geburtstagsfeier? «Sicher kommen ein paar gratulieren. Meine Freunde lade ich nach dem Geburtstag hier in den ”Leuen” zum Essen ein». Sprachs – und kehrte an den Jasstisch zurück, sich wiederum auf die Karten konzentrierend.
Regional sowie viele Freunde und Bekannte gratulieren dem Ur-Umiker zu seinem hohen Geburtstag und wünschen ihm weiterhin viel Glück und Gesundheit zusammen mit seiner Frau.






