Jetzt sollen 99 % reichen

Wohin die Verwaltung gehöre, würden auch Schwerpunktsberechnungen zeigen, legte Emil Setz dar: Nach Bevölkerungszahlen gewichtet, kommt die Mitte von «Bözberg» 200 Meter nördlich vom Unterbözberger Ortsteil Ursprung zu liegen – dort, wo sich die heutige Verwaltung befindet.
20 Gemeinderäte für 1’500 Einwohner, und über 120 Personen, die für diesen oder jenen Job rekrutiert werden müssen: Da lässt sich offensichtlich einiges einsparen. Kleinert bezifferte das «konservativ berechnete Sparpotenzial» auf jährlich Fr. 350’000.–, so dass nach einem Steuerausfall von knapp 180’000 Franken noch erhebliche Reserven verbleiben würden. Erstmals wurden von Ammann Peter Plüss zudem Prognosen über die Beiträge getroffen, die vom Kanton zu erwarten seien: insgesamt 5,6 Mio. Fr.
«Zweifel an optimistischer Perspektive»
«Leider wurden wir vorher nicht über diese Zahlen informiert», meinte Hannes Keller im Nachgang zur Diskussion, «daher konnten wir dazu nicht Stellung nehmen. Wir bezweifeln diese optimistische Perspektive, die aber taktisch sehr geschickt eingebracht wurde», betonte er seitens jener Gruppierung, welche die Debatte initiiert hatte. Schon während der Diskussion stellte er allerdings das postulierte Sparpotenzial in Frage, gerade vor dem Hintergrund der Professionalisierung der Verwaltung, was letztendlich mit deren Ausbau einhergehen werde.
Fusion: so nicht
Die Diskussionsgruppe erachtet den geplanten Fusionsmodus – Verwaltung nach Oberbözberg, Schule nach Unterbözberg – nicht als der Weisheit letzter Schluss. «Ein starke Gemeinde braucht ein starkes Zentrum», wandte sich Keller wider die Aufteilung der Infrastrukturen, wider die «Verlegung der Verwaltung in die Peripherie».
Als Gründe, «weshalb wir Unterbözberger die Fusion in dieser Form nicht brauchen», nannte er etwa, dass die Besetzung von Behörden und Institutionen problemlos machbar sei und man über optimale Zukunftsperspektiven verfüge – dank Zentrumsnähe, guter ÖV-Anbindung, bevorzugter Baugebiete, tiefen Steuern und beträchtlichem Eigenkapital (fast 2,3 Mio. Franken, Ortsbürger 0,85 Mio. Fr.). «Mit der vorgesehenen Fusion ist die Gemeinde Unterbözberg die Verliererin», bilanzierte Keller.
«De Foifer und s’Weggli» vs. «starkes Zentrum»
Draussen übte gerade die Feuerwehr Bözberg, und die Männerriege vom STV Bözberg hatte Turnstunde. Sonst hätten wohl noch mehr als 60 Personen die Diskussion besucht (so wird deutlich: Das Sozialleben ist auf dem Bözberg schon lange fusioniert). Da wurde etwa «die egoistische Sicht vom hohen Ross herab» oder die «De Foifer und s’Weggli»-Mentalität beklagt, während andere für ein starkes Zentrum plädierten und davor warnten, «sich vom Geld des Kantons blenden zu lassen».
Wie Gebäude aus Bözberger Perspektive am besten genutzt werden, verdeutlichte Thomas Obrist von der Arbeitsgruppe Finanzen/Liegenschaften ein. Er machte klar, dass sich die zukünftige Verwaltung nicht im heutigen Gemeindehaus unterbringen lasse, der nötige Ausbau enorm aufwändig wäre und Mieterträge der Wohnungen wegfielen würden – während Kanzlei & Co. im Schulhaus Oberbözberg problemlos Platz fänden.
Apropos Schule: «Es geht um den Erhalt der Schule auf dem Bözberg – und die Schule kann nur fusionieren, wenn die Gemeinden es auch tun», so Peter Plüss. «Glauben Sie nicht, dass die Oberbözberger nach einem Unterbözberger Nein ihre Kinder hierher schicken», sagte er, auf die günstigeren Brugger Schulgelder verweisend. Und schloss so den Kreis zu seinem Eingangszitat: «Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.»






