«Wir sind die Augen und Ohren der Kfor»

Regionalillu

Thomas Wymann ist für den Einsatz im Kosovo bestens ausgerüstet (oben vor einem Super Puma – zum 27. Swisscoy-Kontingent gehören zwei davon) – und ausgebildet: Unter anderem belegte er am Swedish National Defense College in Stockholm einen International Crisis Management Course – mit Kronprinzessin Victoria, im Bild unten gleich neben ihm.

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«Es ist eine edle Aufgabe zu versuchen, die Parteien an einen Tisch zu bringen und Frieden zu stiften», sagt der höchste Schweizer Offizier im Einsatzraum, dort als Bindeglied zwischen der Schweiz, dem Kontingent und den internationalen Partnern fungierend.
 
Militärische Rauchmelder
Thomas Wymann streicht vor allem die Aufgaben der Verbindungsteams, der sogenannten «Liaison and Monitoring Teams» (LMT), im Norden bei Mitrovica heraus. Die Situation rund um diese zwischen Serben und Kosovaren geteilte Stadt könne man als «ruhig, aber instabil» bezeichnen. Besagte Teams würden den Kontakt mit der Bevölkerung pflegen und so der Nato-Friedensmission als eine Art Rauchmelder dienen, erklärt der ursprüngliche Stadtberner. Dabei sei die Schweiz neu die «Lead Nation». «Mer si d’Ouge u d’Ohre vor Kfor», bringt es der Oberstleutnant in breitestem Berndeutsch auf den Punkt.
Schweiz geniesst guten Ruf
«Als Schweizer haben wir im Kosovo in Sachen Vertrauenswürdigkeit einen enorm hohen Stellenwert und sind deshalb prädestiniert für diese Aufgaben», unterstreicht er. Er weiss, wovon er spricht, schliesslich war er bereits im allerersten Kontingent im Kosovo – sicher mit ein Grund für seine Ernennung – und leitete 1999/2000 als Chief Engineer etwa Aufbauprojekte von Schulhäusern. Die Schweiz geniesse auf alle Fälle einen sehr guten Ruf, «und man kann oft Schweizerdeutsch reden, wenn man mit jemandem verhandelt», lacht Wymann, darauf hinweisend, dass im Kosovo eben fast alle Leute irgendeinen Bezug zu unserem Land hätten. Tatsächlich leben 180’000 Kosovaren in der Schweiz – was 10 Prozent der Bevölkerung entspricht.
 
«Wichtige Akteure der Friedenssicherung»
Wenn es gelinge, den Kosovo sicherer und attraktiver zu machen, versuche vielleicht der eine oder andere davon, in seiner Heimat etwas auf die Beine zu stellen, so Wymann. Nur: Der Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen macht zwar Fortschritte, wirtschaftlich befindet sich das Land jedoch noch in wenig entwickeltem Zustand, und die organisierte Kriminalität ist auch weiterhin ein Problem. Und vor allem: «Auch wenn wir als wichtige Akteure der Friedenssicherung gelten, die Konfliktparteien dürften noch zwei bis drei Generationen brauchen, bis die Wunden des Krieges geheilt und gegenseitige Ressentiments überwunden sind», macht sich Wymann keine Illusionen. Was für ihn kein Argument sei, sich nicht trotzdem zu engagieren: «Wir können uns bemühen, dies zu be-schleunigen und einen Teil zum guten Gelingen beizutragen.»
 
«Es ist der Höhepunkt meiner Laufbahn...,
...als Swisscoy-Kommandant die Schweiz und ihre Interessen zu repräsentieren», freut sich der heuer seinen Fünfzigsten feiernde Thomas Wymann über seine Ernennung. Diese gereicht auch Brugg zu grosser Ehre, dem Ort, wo er bereits die RS gemacht und welcher den heutigen SVP-Einwohnerrat und Grossratskandidaten irgendwie magisch angezogen hatte.
Was natürlich viel mit Gattin Annina Rogger Wymann, der Freihof-Wirtin, zu tun hatte, mit welcher er seit 2001 gleich gegenüber der Kaserne wohnt. Und mit der militärischen Karriere, die der gelernte Tiefbauzeichner und Mauer nach der Matur auf dem zweiten Bildungsweg einschlug: 1991 etwa hat der studierte Militärwissenschaftler in Brugg den Kompagnie-Kommandanten abverdient, und beim Waffenplatz war der Vater dreier Kinder bis letzten November als Schulkommandant Stv und Chef Planung tätig.
Gut ins Bild passt, dass er heute in Brugg, als Mitglied der Jagdgesellschaft Wessenberg, durch ebenjene Wälder streift, durch die er schon in der RS gestapft ist. Brugg schrieb seine Geschichte, nun schreibt er Brugger Geschichte. Darauf ist natürlich auch seine Familie stolz. Allerdings werde die lange Trennung – schon Mitte Mai gehts in die Schulung – gerade für Sohn Maximilian (10) nicht einfach, räumt Wymann ein.
 
SVP’ler leitet von der SVP bekämpften Einsatz
Den strammen SVP’ler, der sich allerdings von «den Zürcher Tönen» abgrenzt, als Kommandanten zu be-stimmen, kann auch als geschickter politischer Schachzug gedeutet werden. Gerade von Seiten der SVP waren diese Auslandseinsätze einem massiven Sperrfeuer der Kritik ausgesetzt gewesen, nun dürfte die Beisshemmung ein wenig grösser sein.
Thomas Wymann jedenfalls steht der SVP-Auffassung, wonach das Swisscoy-Engagement nicht mit der Neutralität vereinbar sei und ausser hohen Kosten schlicht nichts bringe, diamentral entgegen. «Interessant ist doch, dass einige Kritiker von der Sache und der Situation vor Ort wohl nicht allzu viel verstehen», schmunzelt der frischgebackene NCC.
Über unseren Mann in Kosovo und seine Erfahrungen werden wir künftig in loser Folge berichten.

Kosovo-Swisscoy
Nach dem Ende des Kosovo-Krieges bis zum 17. Februar 2008, als die Unabhängigkeit ausgerufen und von der Schweiz nur zehn Tage später anerkannt wurde, war Kosovo ein Protektorat der UNO. Die Schweizer Armee beteiligt sich seit Oktober 1999 mit der Swisscoy (Swiss Company) an der internationalen friedensunterstützenden Mission Kosovo Force (Kfor) in Kosovo. Die Swisscoy-Soldaten sind zum Selbstschutz mit Pistole und Sturmgewehr bewaffnet.
Der Einsatz der Swisscoy geht auf den Bundesratsentscheid  von 1999 zurück, sich militärisch, basierend auf der UNO-Resolution 1244, an der Kfor zu beteiligen. Die Swisscoy, deren Einsatz letztes Jahr von National- und Ständerat verlängert wurde, wird vorerst bis Ende 2014 im Kosovo bleiben.
Zum neuen National Contingent Commander NCC wurde Thomas Wymann ernannt, der die rund 250 Soldaten des 27. Swisscoy-Kontingent als Nationaler Vorgesetzter führen wird.

 

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