Zeichen scheinen auf Fusion zu stehen

«Hier ist der geeignete, zentrale und richtige Ort für die Verwaltung», sagt Otto H. Suhner.
Nicht zuletzt, weil mit dem auf Unterbözberger Niveau festgesetzten Steuerfuss (99%) für die meisten Bözberger beträchtliche Steuererleichterungen einhergehen und vom Kanton eine «Heirats-Pauschale» von 2,4 Mio. und eine achtjährige Finanzausgleichs-Garantie von total 4,23 Mio. Franken zu erwarten ist.
Vor allem aber scheint man auf dem Bözberg davon überzeugt, dass mit einer Fusion die steigende Aufgabenlast besser bewältigt werden kann, die Behörden und Kommissionen einfacher zu bestellen seien und «Bözberg» als attraktiver Arbeitgeber gelten würde. Viele sehen, Stichwort rückläufige Schülerzahlen, auch die Chance, die Schule mit der Konzentration in Unterbözberg langfristig zu sichern. Und betrachten den Zusammenschluss-Modus – Verwaltung nach Ober-, Schule nach Unterbözberg – als fairen Kompromiss.
Fragebögen geben Kontra
Ist «Bözberg» also schon quasi durch? «Nein, die Chancen, die Unabhängigkeit der Gemeinden zu erhalten, sind intakt», sagt Otto H. Suhner seitens der rund 20 Personen zählenden «IG für eigenständige Bözberg-Gemeinden». Zum klaren Resultat der Gmeind in Unterbözberg (153 Ja zu 53 Nein, Rekord-Stimmbeteiligung 36,5 Prozent) meint er kämpferisch: «Also waren 63,5 Prozent nicht da.» So hat die IG letzte Woche rund 600 Flugblätter, welche die Kontra-Argumente in Frageform darreichen und ein dezidiertes Nein nahelegen, in die Haushaltungen verschickt – angesichts des grössten Nein-Potenzials in erster Linie in Unterbözberg, wo die Fusion am umstrittensten war und ist.
Fusion: «Kosten werden dabei nie gespart»
Suhner stört sich prinzipiell daran, dass die Gemeindeverwaltung und die regionale Steuerverwaltung von Unter- nach Oberbözberg «in die Peripherie» disloziert werden solle. Und 40 Jahre Erfahrung punkto Firmen- oder Verbandsfusionen würden ihm deutlich zeigen: «Kosten werden dabei nie gespart», unterstreicht der Chef der Brugger Kabelwerke, die postulierten jährlichen Synergiegewinne von 300’000 Franken bestreitend.
«Und man verliert die Flexibilität. Ich bin ein Anhänger kleiner, flexibler Einheiten, ob sie nun am Markt für die Kunden oder wie bei Gemeinden im Dienste der Bevölkerung tätig sind.»
«Rekrutierung eher noch schwieriger»
Flexibilität klingt gut – was aber tun, wenn einem schlicht die Leute fehlen, flexibel zu agieren? Oder anders: 20 Gemeinderäte und weit über 100 Behördenmitglieder für 1’500 Einwohner, das kann doch nicht mehr lange gut gehen? «Es ist statistisch erhärtet, dass das Problem der Rekrutierung nachher nicht gelöst ist, sondern diese sich eher noch schwieriger gestaltet», entgegnet Suhner. Dies weil sich bei grösseren Gemeinden markant erhöhte Anforderungen stellen würden und sich so der in Frage kommende Personenkreis wieder einschränken würde, erklärt Suhner.
Finanzielle Fragezeichen
Fragezeichen macht er nicht nur zu den Synergiegewinnen, sondern auch beim Steuerfuss. Wie 110 % (Oberbözberg) plus 115 % (Linn) plus 105 % (Gallenkirch) à la longue 99 % (Unterbözberg) ergeben kann, ist für ihn nicht nachzuvollziehen. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Zusammenschlusspauschale mit dem Umbau der Schulanlage Oberbözberg zur Verwaltung «so gut wie aufgebraucht» sei und nach acht Jahren der Finanzausgleich «versiegt», geht für Suhner die Rechnung nicht auf.
«Für gemeinsame Schule brauchts keine Fusion»
«Später zahlt dann einfach nicht mehr der Kanton sondern “Bözberg”», plädiert Suhner für ein Nein. Vor allem aber, weil damit bürgernahe, eigenständige Gemeinden erhalten blieben. Wobei ein Nein nicht gleichbedeutend sei mit dem Status Quo: «Man kann die Zusammenarbeit auch ohne Fusion verbessern.» Gerade auch im Schulbereich, wo für ihn kein Konnex mit der Fu-sion gegeben ist. Die Schliessung der Schule Oberbözberg sei aufgrund der Schülerzahlen alles andere als notwendig, es gebe im Kanton immerhin 303 mehrklassige Abteilungen – und wolle man die Schulen zusammenlegen, sei dafür sicher keine Gemeindefusion vonnöten, betont Suhner.
Ja definitiver als Heirat
Allzu gross dürfte sich besagtes Nein-Potenzial nicht ausnehmen. Oder schlägt sich die bisher schweigende Mehrheit doch noch auf die Gegnerseite, welche Schillers (Alarm-) Glocke schrillen lässt: Auf «drum prüfe, wer sich ewig bindet» folgt da (nicht die Verballhornung «ob sich noch was Bessres findet» sondern) «ob sich das Herz zum Herzen findet / der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang»... Ein Ja jedenfalls wäre ungleich definitiver als jede Heirat: Es gibt kein Scheidungsrecht bei Gemeinden.






