Hausens heikle Hausaufgaben

Gerade hat das «Dorf» – im neusten Agglomerationsprogramm Aargau Ost gilt Hausen unterdessen als «suburbanes Zentrum» – den 3000. Einwohner begrüsst (1980: 1’640 Einwohner; 1990: 1’937). Und das «lawinenartige Wachstum» gehe munter weiter: «Wir werden geradezu überschwemmt von Baugesuchen», sagt der neue Ammann, sich als «ein Teammitglied mit besonderen Aufgaben» verstehend.
Plus 600 Einwohner in drei Jahren
«Wir gehen in den nächsten drei Jahren von 600 zusätzlichen Einwohnern aus», verdeutlicht der Vater zweier erwachsener Kinder, dessen grosses Hobby das Tanzen mit Gattin Renate ist. Wie sich die erwartete Bevölkerungszunahme schliesslich auf die Schule auswirke, sei ein wenig wie «Kafisatzlesen». Klar sei, dass die Schulraumplanung respektive -erweiterung jetzt besonders in den Fokus rücke, zumal man ja, gemäss kommender Strukturänderung der Volksschule, ab 2014/2015 sechs Primarklassen zu beherbergen habe.
Masterplan fürs Reichhold-Areal
Ein wichtiger Punkt des Umsetzungsprogramms sei die Erarbeitung eines Masterplans fürs Gelände der Reichhold-Chemie, betont Bless. Gemeinsam mit Lupfig und dem Kanton werde damit der Rahmen für die zukünftige Nutzung abgesteckt (über die neue strategische Zusammenarbeit Gemeinden-Kanton siehe Regional vom 12. Jan. ‘12).
Eine gute Ausgangslage punkto Investorensuche sei: «Jetzt weiss man genau, was im Boden ist, also weiss man auch, was das Areal wert ist», erklärt der gelernte Informatiker, der heute bei der IT der SR Technics den SAP-Hardwarebereich leitet.
Lichtsignale nein danke!
Der Krawatten-Fan, der rund 200 Exemplare sein eigen nennt, möchte niemandem auf den Schlips treten, aber: «Lichtsignale in Hausen sind äusserst problematisch», lautet gemäss Bless die Position der Gemeinde. Sie wehrt sich gegen die geplante Zuflusssteuerung im Rahmen des Verkehrsmanagements Brugg-Windisch. Bless zu einer Ampel beim Reichhold-Areal: «Dann können die Hausener nicht nach Hause, weils in Brugg-Windisch staut. Das versteht kein Mensch.»
Das auf Höhe Baschnagel vorgesehene Lichtsignal sei ebenfalls wenig durchdacht, weil dann etwa Knechts Reisebusse nicht mehr über die Umfahrung auf die Autobahn gelangten und den Weg durch Hausen wählten. Denselben Verlagerungseffekt ergäbe auch eine Ampel auf der Umfahrung – Bless’ Fazit: «Das sind aus unserer Sicht im Moment unbrauchbare Lösungen. Zuerst soll man nun die Südwestumfahrung realisieren und anschliessend ihren Einfluss auf die Verkehrsströme analysieren.»
Jugendarbeit, Spitexfusion & Co.
Als regionale Aufgaben stünden unter anderem die Jugendarbeit – das regionale Jugendkonzept geht heuer in die Pilotphase –, die Spitexfusion oder die Alterspflege an, wobei man da punkto Pflegebetten «in Abklärungen» sei, wie Bless erklärt. Daneben würden aber auch weitere knifflige kommunale Themen angegangen. So habe man die Aufwertung des Lindhofschulhaus-Spielplatzes im speziellen sowie die Schaffung von Begegnungsplätzen im allgemeinen im Auge. «Der Kredit für ein entsprechendes Projekt soll noch 2012 vor die Gmeind kommen», meint er.
Was wird aus dem Dahli-Haus?
«Gespaltene Vorstellungen» hätten die Hausener, was die Zukunft des Dahlihauses betreffe. Die einen wünschten sich «eine nette Feuerwehr-Übung», schmunzelt Bless, und wollten das Areal einer neuen Nutzung zuführen. Andere möchten das 1624 erbaute Hochstudhaus an der Holzgasse erhalten, umnutzen und da beispielsweise ein Museum einrichten.
«2012 wollen wir einen Grundsatzentscheid herbeiführen, in welche Richtung es gehen soll», unterstreicht Bless, der auch darauf hinweist, dass in Bälde Unterlagen vorliegen würden, wie hoch die Grundkosten einer Sanierung wären. Die neu geschaffene Dorfkernzone, in welcher das Dahlihaus steht, biete Investoren jedenfalls bessere Möglichkeiten, die jetzt auch genutzt würden (siehe Regional 12. Jan. ‘12, S. 5: «Die Dorfmitte ändert ihr Gesicht»).
Nächster Halt: Hausen
Im «suburbanen Zentrum» Hausen werde der Siedlungsdruck kaum nachlassen, blickt Bless in die Zukunft. Neben der Einzonung Büntefeld, die innerhalb der nächsten zehn Jahre aufs Tapet gelangen dürfte, sei demnach auch ein Bahnhof Hausen ein Langzeitthema.
Es sei sicher sinnvoll, die Entwicklungsachsen Brugg-Hausen und Baden-Fislisbach zu verbinden, so der in Baden und Fislisbach aufgewachsene, seit 1996 in Hausen wohnhafte Bless. Und wenn der S-Bahn-Ring über Mellingen dereinst geschlossen sei und Hausen über 4’000 Einwohner zähle, spreche nicht wirklich etwas gegen einen Halt in Hausen. «Sie sehen: Ob konkrete Projekte oder ferne Zukunftsmusik, in Hausen wirds einem nie langweilig», lacht Eugen Bless.






