Der Kanton steigt ein

Dieser Prozess würde natürlich schneller und einfacher vonstatten gehen, wenn bereits ein Investor mit von der Partie wäre, um die Baukubeneinteilung und die interne Erschliessung auch dementsprechend vorzunehmen.
«High-Tech-Zone» im Fokus
Der Kanton beabsichtige, so Plüss, das Areal dereinst international unter dem Label «High-Tech-Zone» anzupreisen. Womit, vor allem auch baurechtlich, wenig gesagt ist, aber immerhin soviel: Einkaufszentren, Logistikfirmen, Baumärkte & Co. wirds hier nicht geben. Und Danièle Zatti von der kantonalen Standortentwicklung schränkt ein: «Von der Vermarktung des Geländes sind wir noch weit entfernt.»
Es sei die Hoffnung und Vorstellung aller, produzierende Betriebe auf hohem technischen Niveau hierher zu bringen, welche gute und interessante Arbeitsplätze anbieten, betont Plüss. Nicht zuletzt deshalb ist der Kanton denn auch in besagten Prozess eingestiegen: Er will dem Trend entgegentreten, wonach der Aargau punkto Standortattraktivität schweizweit zwar ganz vorne mitspielt, jedoch in Sachen Wertschöpfung weit hinterherhinkt. Auf verbleibendem, idealem Industrieland wie dem Reichhold-Areal soll dies anders werden.
Denn auch da «verlocken die zentrale Lage und die optimale Verkehrsanbindung mit Strasse und Schiene zu weiteren Grossverkaufszentren oder Grosslagern, was aber einerseits die Bau- und Nutzungsordnungen beider Gemeinden nicht zulassen und andererseits auch nicht den Besiedelungsstrategien beider Gemeinden sowie des Kantons entspricht», führt Plüss aus.
Kauf durch Kanton – ein Traum?
Eigentümerin ist nach wie vor die Swiss North American Properties Inc. (Snap), die das Areal so schnell wie möglich verkaufen möchte. Plüss ist auch schon zu Ohren gekommen, dass der Kanton dieses allenfalls selbst erwerben könnte – «aber davon wage ich gar nicht zu träumen», relativiert er.
Ein solcher Kauf wäre eine sehr gute langfristige Steuerungsmöglichkeit. Und obwohl ordnungspolitisch heikel (in anderen Kantonen allerdings gang und gäbe), dennoch irgendwie konsequent: Bei der Altlastensanierung oblag dem Kanton von Anfang der Lead. Und solchen musste die öffentliche Hand sowieso schon vehementer an den Tag legen, als ihr lieb war: Hausen und Lupfig hatten beim Rückbau der Hochbauten alle Hände voll damit zu tun, dass die von Snap beauftragten Firmen die hiesigen Entsorgungsstandards einhalten. Einmal wurde sogar ein Baustopp verfügt.
Vorläufig «treten an Ort»
Auch wenn das alles nach einiger Bewegung klingen mag: Dass es auf dem Areal vorwärtsgehen soll, scheint sich im Gelände eher weniger zu manifestieren. Vorläufig sei tatsächlich «treten an Ort» angesagt, meint Plüss. Die Altlastensanierung zeige gute Resultate, allerdings habe sich gezeigt, dass an gewissen Hot Spots das sogenannte Impfen des Erdreichs nicht ausreiche. «Man wird nicht darum herum kommen, dieses lokal auszugraben und zu entsorgen», betont Plüss.
Dass letztes Jahr die Mägenwiler Brack Electronics als interessierter Investor abgesprungen ist, bedauert er auch vor diesem Hintergrund: Mit dem Bau der geplanten Tiefgaragen wäre auch die Lösung dieses Problems einhergegangen. Wobei ein paar Monate mehr oder weniger beim Jahrzehnte-Sorgenkind Reichhold-Chemie so relevant nicht sind.






