Das Gesicht der Schinznacher Metzg

Zoom: Regionalillu

Zusammen mit Ruedi Byland hört nach 24 Jahren auch Ursula Moser, Thalheim, auf (sie betrieb früher in Schinznach-Dorf das Milchhüsli).



Der einen empfängt, wie er es immer tat. Mit einem feinen Lachen auf ebensolchen Zügen, schlank und rank, die Haltung aufrecht, sehr gepflegt die Erscheinung – Frisur, Hemd, Schürze, alles sitzt perfekt. Der Mann sieht einfach gut aus, fiel einem schon als Kind auf. «Was darfs sein», fragt der Freundliche. Nur ein kleiner Schwatz über ein halbes Jahrhundert.
 
Kurzer Blick zurück
«Ich habe schon vor der Lehre in der Bäre-Metzg ‘handglangeret’», blickt der Mann mit Jahrgang ‘46 auf die Zeit zurück, als Franz Schnyder, Vater des heutigen Chefs Markus Schnyder, das Lokal neu gemietet hatte (1959 hörten Fritz und Klara Amsler vom Restaurant «Bären» auf mit der hauseigenen Metzgerei – bis 2005 diente die Bäre-Metzg der Wildegger Metzgerei Schnyder als Filiale, ehe man die Räume an der Rebbergstrasse 1 bezog). Sein Vater Walter Byland sei Störmetzger gewesen, da sei er so hereingewachsen.
 
Vegetarismus, Rinderwahnsinn, Grossverteiler
«Es hat schon enorm viel geändert», sinniert er und zückt ein altes Foto hervor, «schauen Sie nur mal die Warenauslage damals, nicht gekühlt wohlgemerkt...». Stolz macht ihn, dass er «nie Probleme mit der Lebensmittelkontrolle» hatte. Trends wie Vegetarismus, von dem sich viele junge Mädchen «anstecken» liessen, lassen ihn mitleidig schmunzeln (anstecken tut man sich ja mit Krankheiten – irgendwie amüsant, wie Metzger Byland dies unbewusst pathologisiert). «Wenn man gar kein Fleisch isst, fehlt doch etwas», unterstreicht er. «Von allem ein bisschen, von nichts zuviel», laute seine Devise.
Die Sache mit dem Rinderwahnsinn sei echt schwierig gewesen, «das haben wir gemerkt beim Fleischkonsum». Und mit Migros und Coop habe man gelernt zu leben, nun sei die Konkurrenz mit Aldi und Lidl noch grösser geworden. Weshalb auch in Zukunft gelte: «Wir müssen einfach die bessere Qualität und den besseren Service bieten». Der eine habe es eben gerne so, der andere so.
 
Adieu
Klingt nicht wie einer, der übermorgen in Pension geht. Was tut Ruedi Byland, noch äusserst gut zwäg, damit er nicht in ein Loch fällt? «Keine Sorge», lacht er, «der Junior baut, da werde ich helfen und schauen. Das Grosskind, Holzen im eigenen Wald für unsere ‘Chouscht’ und Hobbys wie Wandern, Velofahren oder der Garten geben genug zu tun». Regional wünscht einen erfüllten Unruhestand. Die Kunden, die ihm alles andere als Wurst waren, werden das Gesicht der Schinznacher Metzg vermissen.

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