Alte Dokumente lesbar machen

Mit viel Geduld bringt Fritz Hertach solche Alt-Texte in heute lesbare Form.
Früh begeistert
In der Familie des jungen Fritz fanden sich solche Akten: sowohl in der sogenannten Kurrent- als auch in der Sütterlinschrift. Vater konnte das lesen, also wollte klein Fritz das ebenfalls erlernen.
Als Erwachsener belegte er extra Kurse dazu. Heute liest und schreibt Fritz Hertach beide. Wobei: «Wie überall wurde früher natürlich auch sehr individuell geschrieben, jeder hatte seine eigene "Klaue". Wenn man also Unterlagen solcher Berühmtheiten entziffert und überträgt, muss man sich diese Eigenheiten immer zuerst mühsam beibringen. Das verlangt oft akribisches, sorgfältiges Vorgehen», erklärt er.
Über Umwege gelangte der 74-Jährige an eine Ausschreibung der Zentralbibliothek Zürich (ZB). Und da er die dort eingefügte, während 500 Jahren gepflegte Kurrent locker entziffern konnte, gehört er jetzt zum wertvollen Team der ZB-Transkriptoren.
Künstliche Intelligenz an Bord
«Wir arbeiten da mit dem e-manuscripta-Programm. Die Arbeiten gehen so lange zwischen uns und der Institution hin und her, bis alle Unklarheiten ausgemerzt sind. Danach stürzt sich jeweils die Studentenschaft darauf; endlich finden sie die nötigen und für sie lesbaren Unterlagen, um ihre Arbeiten zu verfassen», schmunzelt der auf dem Bözberg im Neustalden Aufgewachsene.
Das ist zum Beispiel die Korrespondenz eines General Wille oder eines Richard Wagner. Täglich ist Fritz Hertach an der Arbeit. Neben der ZB transkribiert der gelernte Konstrukteur auch für andere Institute, wo das «Transkribus»-Programm zum Einsatz kommt. «Da ist bereits künstliche Intelligenz inkludiert. Zeigen die eingelesenen Dokumente dort zuerst eine Fehlerquote von gegen 40 Prozent, so "lehren" wir die KI über unsere Korrekturen exakteres Lesen. Am Schluss liegt die Fehlerrate noch bei ca. 4 Prozent», weiss der Fachmann. Von seinem Wissen schliesslich profitieren auch das Staatsarchiv Aarau und das Stadtarchiv in Luzern.
Breit interessiert
Als Geschichtsinteressierter belegt Fritz Hertach seit rund zehn Jahren Vorlesungen am Historischen Institut der Universität Zürich. Dort kennt er unterdessen jeden Professor. Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann lobte ihn mal ausdrücklich für seine wertvolle Transkriptionsarbeit.
«Da Lateinkenntnisse nie schaden, legte ich mir zudem zwei Semester lang an einer Fachhochschule das nötige Wissen zu», ergänzt der Hobby-Blechmusiker und jahrelange Dirigent. Und das ist, zu guter Letzt, eine weitere Freizeitbeschäftigung des Tätigen: Ist er mal der Arbeit am Bildschirm müde, setzt er sich ans Klavier und entführt sich selber in die Schönheit dieser Klangwelt – auch dies hat er ebenfalls erst während seines Rentnerseins erlernt.























































